Wovor haben die Leute eigentlich Angst?
- Alfred Besbü ©

- 14. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Ein Blick ins AfD-Programm – mit spitzer Feder und gesundem Menschenverstand
Von Alfred Besbü

Manchmal sitze ich da, lese Zeitung, höre Talkshows zu, scrolle durch soziale Medien – und frage mich ernsthaft:
Wovor genau haben die Leute eigentlich Angst, wenn es um die AfD geht?
Also konkret. Nicht „irgendwas hineininterpretiertes“. Sondern greifbares.
Denn schaut man sich das Programm an, dann ist das meiste weder revolutionär noch geheimnisvoll. Es ist eher bodenständig. Und vielleicht ist genau das das Problem.
Haben wir Angst vor Ordnung? Ehrlich jetzt?
Haben die Leute Angst davor, dass Gesetze wieder gelten?
Nicht nur montags, nicht nur für manche, nicht nur symbolisch, sondern konsequent für alle gleich? Dass der Rechtsstaat nicht mehr diskutiert, sondern handelt?
Vielleicht haben wir uns einfach zu sehr daran gewöhnt, dass Regeln zwar existieren, aber scheinbar optional sind. Dass Konsequenz inzwischen als Härte gilt und Durchsetzung als Zumutung. Ordnung wirkt plötzlich verdächtig – wie ein Relikt aus Zeiten, in denen die Dinge noch funktioniert haben.
Angst vor Medien, die überzeugen müssen?
Oder geht es um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk?
Also um die Vorstellung, dass man nicht mehr gezwungen wird, jeden Monat brav zu zahlen – egal ob man zuschaut oder innerlich längst abgeschaltet hat?
Die Idee, Medien könnten sich wieder über Qualität, Vielfalt und Glaubwürdigkeit finanzieren müssen, scheint manchen regelrecht Angstschweiß auf die Stirn zu treiben. Freiwilligkeit ist halt anstrengender als Zwang.
Angst vor Stromrechnungen ohne Herzinfarkt?
Haben wir Angst davor, dass Energie wieder bezahlbarer werden könnte?
Dass man beim Öffnen der Stromrechnung nicht mehr denkt, man habe versehentlich die halbe Nachbarschaft versorgt?
Bezahlbare Energie bedeutet Wettbewerbsfähigkeit, Jobs, Entlastung für Familien. Vielleicht ist genau das für manche ein Problem – denn mit Dauerkrise lässt sich politisch besser arbeiten als mit Normalität.
Angst davor, dass Arbeit wieder Sinn macht?
Oder ist es die Angst, dass die Wirtschaft wieder funktionieren könnte?
Dass Unternehmen und Fachkräfte nicht mehr fliehen, sondern bleiben? Dass Arbeitsplätze entstehen, statt verschwinden?
Wir haben uns erstaunlich schnell daran gewöhnt, den Niedergang als Naturgesetz zu akzeptieren. Wer dann sagt: „Moment mal, das muss nicht so sein“, gilt plötzlich als gefährlicher Optimist.
Angst vor einem Leben ohne Dauerpanik?
Haben wir Angst davor, nicht immer mehr zu verarmen?
Davor, dass Altersarmut kein fest eingeplantes Zukunftsmodell ist?
Dass Familien wieder rechnen können, ohne Taschenrechner und Magengeschwür?
Vielleicht lebt ein ganzer Apparat ganz gut davon, dass Menschen sich permanent Sorgen machen. Wer keine Angst hat, ist schwerer zu steuern.
Angst vor echter Wahlfreiheit für Frauen?
Jetzt wird’s besonders heikel – sozialpolitisch.
Haben die Leute Angst davor, dass Frauen (oder auch Männer) wieder wählen dürfen? Also wirklich wählen. Zwischen Karriere, Teilzeit, Familie, Zuhause bleiben, Mischformen – ohne moralischen Zeigefinger?
Dass auch eine alleinstehende Mutter, die ihre Kinder selbst erziehen will, dafür Unterstützung bekommt – statt mitleidige Blicke und Belehrungen?
Vielleicht ist das Problem nicht fehlende Gleichberechtigung, sondern zu viel Gleichmacherei.
Angst vor Hilfe, die wirklich hilft?
Und dann z.B. bei behinderten Kinder. Haben wir Angst davor, zuzugeben, dass Zwangs-Inklusion oft mehr schadet als nutzt?
Dass spezialisierte Schulen, kleinere Gruppen und Fachpersonal keine Ausgrenzung sind, sondern Fürsorge? Dass Ideologie keinen Förderplan ersetzt?
Manchmal ist das Beste für ein Kind nicht das schönste Wort, sondern die beste Lösung.
Angst vor einem Staat, der sich kümmert – aber richtig?
Haben wir Angst davor, dass Politik wieder fragt: Was brauchen die Menschen wirklich?
Und nicht: Was klingt auf Konferenzen gut?
Individuelle Lösungen sind halt komplizierter als Parolen. Aber sie funktionieren.
Angst vor weniger Brüssel und mehr Demokratie?
Oder geht es um Europa? Um die ketzerische Idee, dass Deutschland kein Verwaltungsbezirk mit Flagge eines nicht von uns allein gewählten Parlaments ist, sondern ein souveräner Staat in einer Wirtschaftsgemeinschaft?
Dass Gesetze wieder näher an den Bürgern, durch von uns gewählte Abgeordnete entstehen – und nicht in Gebäuden, die man nur vom Flugzeugfenster kennt?
Vielleicht ist nicht Europa das Problem, sondern die Machtkonzentration.
Angst davor, nicht in den Krieg zu ziehen?
Haben manche Angst davor, dass Deutschland nicht Kriegspartei wird? Dass unsere Kinder nicht für geopolitische Interessen anderer Länder kämpfen müssen?
Die Ukraine wurde von Russland angegriffen. Punkt. Aber daraus folgt nicht automatisch eine deutsche Dauerverpflichtung. Diplomatie ist kein Verrat, Zurückhaltung keine Feigheit.
Angst vor Steuergeld für… uns?
Oder reden wir über Geld. Unser Geld.
Haben Leute Angst davor, dass Steuergelder zuerst in Deutschland bleiben? Für Schulen, Straßen, Pflege, Renten usw.?
Statt für immer neue Projekte in aller Welt, bei denen man sich fragt, ob welche Sinn das hat oder jemand überhaupt kontrolliert, was am Ende dabei rauskommt?
Prioritäten zu setzen ist keine Unmenschlichkeit. Es ist Haushaltsführung.
Angst vor Abschiebungen ohne Drama?
Ein Daueraufreger: Migration.
Haben wir Angst davor, dass Asyl wieder Asyl bedeutet? Also Schutz für Bedürftige – Rückkehr für alle ohne Anspruch?
Dass Integration erwartet wird und Verweigerung Folgen hat?
Ein Staat, der das nicht kann, ist kein Sozialstaat mehr, sondern ein Verwaltungschaos.
Angst vor sinkenden Mieten?
Und zum Schluss: Wohnen.
Haben wir Angst davor, dass mehr gebaut werden könnte? Dass Bürokratie abgebaut wird? Dass Mieten sinken, weil Angebot und Nachfrage wieder halbwegs zusammenpassen könnten?
Dauerknappheit ist politisch nützlich. Entspannung eher nicht.
Am Ende bleibt eine simple, unbequeme Wahrheit: Ein echter Kurswechsel braucht echte Mehrheiten.
Halbe Mehrheiten liefern halbe Lösungen.
Vielleicht ist die Aussicht auf Verbesserung die eigentliche Angst .










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