Wertschöpfung, Umverteilung und wirtschaftliche Tragfähigkeit in Deutschland
- Alfred Besbü ©

- 12. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Jan.

Dieser Beitrag verfolgt ein Ziel: die wirtschaftlichen Zusammenhänge in Deutschland klar, nüchtern und faktenbasiert darzustellen – ohne Polemik und ohne Schuldzuweisungen.
Denn nicht alles, was wichtig ist, ist wertschöpfend und nicht alles, was gut gemeint ist, funktioniert auch ökonomisch und nicht jedes Problem lässt sich durch Umverteilung lösen.
1. Was Wertschöpfung in einer Marktwirtschaft bedeutet
In einer marktwirtschaftlichen Ordnung entsteht Wertschöpfung dort, wo:
Güter produziert werden
Dienstleistungen erbracht werden, für die es eine freiwillige Nachfrage gibt
Produkte oder Leistungen einen Marktpreis erzielen
Typische Bereiche sind:
Industrie und verarbeitendes Gewerbe
Handwerk
Bauwirtschaft
Landwirtschaft
Energieerzeugung
Logistik
private Dienstleistungsunternehmen
Selbstständige und Unternehmer
Hier entsteht das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Aus diesem BIP speisen sich:
Steuereinnahmen
Sozialversicherungsbeiträge
staatliche Handlungsspielräume
Ohne ausreichende Wertschöpfung ist kein Staat langfristig finanzierbar.
Das ist eine grundlegende volkswirtschaftliche Erkenntnis.
2. Gesellschaftlich notwendige, aber nicht wertschöpfende Arbeit
Neben der marktwirtschaftlichen Wertschöpfung gibt es Tätigkeiten, die für eine funktionierende Gesellschaft unverzichtbar sind, jedoch keine eigenständige Wertschöpfung im ökonomischen Sinn erzeugen, weil sie nicht marktfinanziert sind.
Dazu zählen unter anderem:
Pflege
Erziehung
schulische Bildung
soziale Betreuung
große Teile des Gesundheits- und Sozialwesens
Diese Bereiche:
sichern gesellschaftliche Stabilität
verbessern Lebensqualität
erfüllen zentrale staatliche Aufgaben
Sie werden jedoch überwiegend aus Steuern und Sozialabgaben finanziert, die aus der Wertschöpfung anderer Wirtschaftsbereiche stammen.
Das ist keine Abwertung dieser Berufe, sondern eine Finanzierungsbeschreibung.
3. Staat, Verwaltung und Regulierung
Der Staat übernimmt notwendige Aufgaben:
Rechtssicherheit
Infrastruktur
innere und äußere Sicherheit
Verwaltung öffentlicher Aufgaben
Diese Tätigkeiten sind systemerhaltend, aber nicht marktwirtschaftlich wertschöpfend.
Ihre Finanzierung erfolgt vollständig über Steuern, Abgaben und Beiträge.
Problematisch wird diese Struktur dann, wenn:
der Umfang staatlicher Regulierung stark wächst
Verwaltungsaufwand zunimmt
zusätzliche Berichtspflichten, Genehmigungen und Kontrollen entstehen
Denn diese Faktoren binden Ressourcen außerhalb der eigentlichen Produktion.
4. Bürokratie als wirtschaftlicher Kostenfaktor
Bürokratie verursacht Kosten, ohne selbst Wertschöpfung zu erzeugen. Diese Kosten entstehen durch:
Zeitaufwand
Dokumentationspflichten
externe Beratung
rechtliche Absicherung
verzögerte Investitionen
Für kleine und mittlere Betriebe bedeutet das häufig:
geringere Produktivität
höhere Fixkosten
geringere Investitionsbereitschaft
Volkswirtschaftlich betrachtet sinkt dadurch die effektive Wertschöpfung pro Arbeitsstunde.
5. Abgabenlast und Leistungsanreize
In Deutschland liegt die kombinierte Belastung aus:
Steuern
Sozialabgaben
indirekten Abgaben (Energie, Verbrauch, Umlagen)
im internationalen Vergleich auf hohem Niveau.
Ökonomisch relevant ist dabei nicht die moralische Bewertung, sondern die Wirkung:
geringere Nettoerträge aus Mehrarbeit
sinkende Investitionsrenditen
geringere Attraktivität unternehmerischer Risiken
Langfristig kann dies dazu führen, dass:
Produktionsstandorte verlagert werden (sehen wir derzeit)
Investitionen unterbleiben
Neugründungen ausbleiben
6. Subventionen: Wirkung und Grenzen
Subventionen sollen wirtschaftliche Aktivitäten fördern. Tatsächlich führen sie jedoch häufig zu:
administrativem Aufwand
Mitnahmeeffekten
Abhängigkeiten
Marktverzerrungen
Aus volkswirtschaftlicher Sicht gilt:
Subventionen verlagern Mittel, sie schaffen keine neue Wertschöpfung
sie verursachen zusätzliche Verwaltungskosten
sie ersetzen keine strukturellen Standortvorteile
Insbesondere für Handwerk, Landwirtschaft und Mittelstand ist langfristig ein tragfähiges Marktumfeld wirksamer als Förderprogramme.
7. Marktwirtschaftliche Preisbildung: das Beispiel Wohnungsmarkt
Ein klassisches Beispiel für unbeabsichtigte Nebenwirkungen staatlicher Eingriffe ist der Wohnungsmarkt.
Grundmechanismus:
Preise steuern Angebot und Nachfrage
Investitionen entstehen nur bei wirtschaftlicher Tragfähigkeit
Preisdeckel oder Mietbegrenzungen können kurzfristig entlasten, führen aber langfristig häufig zu:
sinkender Neubautätigkeit
geringerer Modernisierung
Angebotsverknappung
Das Ergebnis ist nicht mehr Wohnraum, sondern struktureller Mangel.
8. Umverteilung und Systemgrenzen
Umverteilung ist ein legitimes Instrument zur sozialen Absicherung. Sie stößt jedoch an Grenzen, wenn:
der Kreis der Nettoempfänger wächst
der Kreis der Nettozahler schrumpft
die Wertschöpfungsbasis nicht mitwächst
In diesem Fall steigen:
Abgaben
Staatsausgaben
Verschuldungsdruck
Ohne zusätzliche Wertschöpfung ist dieser Prozess nicht dauerhaft tragfähig.
9. Migration und fiskalische Tragfähigkeit
Unabhängig von humanitären Bewertungen gilt fiskalisch:
zusätzliche Bevölkerung erhöht zunächst Ausgaben
positive Effekte entstehen erst bei nachhaltiger Integration in den Arbeitsmarkt
je länger der Transferbezug andauert, desto höher die Belastung der öffentlichen Haushalte
Auch hier entscheidet nicht die Absicht, sondern die Bilanz.
10. Schlussfolgerung: Stabilität entsteht durch Wertschöpfung
Ökonomisch belastbar ist ein System dann, wenn:
produktive Arbeit möglich ist
unternehmerische Tätigkeit attraktiv bleibt
Bürokratie begrenzt wird
Abgaben in einem leistungsfördernden Verhältnis stehen
Umverteilung kann begleiten, aber nicht ersetzen, was wirtschaftlich notwendig ist.
Schlussbemerkung
„Handwerk hat goldenen Boden“ – dieser Satz kam nicht aus einer Werbeagentur, sondern aus der Realität. Aus einer Zeit, in der klar war: Wer baut, repariert, seine Arbeitskraft anbietet, erzeugt und produziert, hält ein Land am Laufen. Heute stellt sich eher die Frage: Warum behandeln wir genau diese Arbeit so, als sei sie verzichtbar?
Handwerk, Landwirtschaft, Industrie und Mittelstand funktionieren nicht wegen Subventionen, sondern trotz Bürokratie. Sie schaffen Werte am Markt und nicht auf Formularen. Und trotzdem werden genau diese Bereiche immer stärker belastet: mit immer mehr Abgaben, Auflagen und Dokumentationspflichten. Warum eigentlich?
Statt mehr Menschen in wertschöpfende Arbeit zu bringen, wächst der Staats- und Umverteilungsapparat weiter. Immer mehr Verwaltung, immer mehr Regelwerke, immer mehr Umverteilung, bei gleichzeitig schrumpfender Basis. Kann das auf Dauer gutgehen?
Auch die Jugend wird überwiegend in akademische und systemfinanzierte Bahnen gelenkt. Aber wer produziert dann noch? Wer baut Häuser, repariert Netze, erzeugt die Lebensmittel? Oder glauben wir ernsthaft, Verwaltung ernährt sich selbst?
Und wenn Landwirte weiter stranguliert werden, importieren wir unser Essen eben nur noch aus dem Ausland, auch ohne Qualitätsstandards. Abhängigkeit statt Eigenständigkeit – soll das wirklich die Lösung sein?
Dabei ist die Rechnung ganz simpel: Ohne Wertschöpfung keine Verteilung. Ohne Produktion kein Wohlstand.
Dauerhafte Stabilität entsteht nicht durch immer neue Umverteilung, sondern durch die Fähigkeit, Wohlstand zuerst zu erwirtschaften.










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