Wohnmobilplatz am Weikensee – Wirtschaftsförderung oder teures Wunschdenken?
- Alfred Besbü ©

- 19. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Ein Bürger schreibt an den Bürgermeister und an Alfred Besbü

Manchmal landet bei Alfred Besbü Post im Briefkasten, da weiß man schon beim ersten Satz: Jetzt wird’s interessant. Diesmal hat sich wieder ein Bürger gemeldet, der regelmäßig in Rats- und Ausschusssitzungen sitzt – nicht wegen der bequemen Stühle, sondern damit am Ende keiner sagen kann: „Das haben wir doch alles gar nicht gewusst.“
Sein Thema: der geplante Wohnmobilplatz am Weikensee.
Laut den bisherigen Überlegungen soll die Stadt rund 300.000 Euro in die Hand nehmen – natürlich auf Kredit, weil Geld bekanntlich gerade so reichlich vorhanden ist wie Parkplätze vor dem Aldi an einem Samstagmittag.
Der Bürger schreibt mit einem Augenzwinkern, dass man sich erst vor kurzem eine neue Planstelle für Wirtschaftsförderung gegönnt hat. Kaum sitzt der Mann im Büro, steht auch schon das erste große Projekt im Raum. Zufall? Vielleicht.
Oder einfach der natürliche Lebenszyklus einer Idee im Rathaus: Erst der Schreibtisch, dann die Vision.
Besonders charmant wird es bei der Rechnung: Bei angeblich 70 % Auslastung sollen nach acht Jahren rund 320.000 Euro zurückfließen. Das klingt ja mal nach Erfolg – bis man merkt, dass das Ganze vorher finanziert werden muss. Der Bürger fragt trocken, ob man das bei ihm zu Hause eher „Gewinn“ oder „teures Camping-Abenteuer“ nennen würde.
Und dann wäre da noch die Lage: Bahnübergang, Zugverkehr, Hupen nach Vorschrift, dazu die B 473 und Gewerbebetriebe in der Nähe. Der Bürger meint, wer dort Ruhe sucht, bekommt stattdessen wahrscheinlich einen kostenlosen Akustik-Wecker – mehrmals täglich. Vielleicht ein neues Konzept: „Wellness durch Dauerbeschallung“.
Als „1-A-Platz mit Sternchen“ wurde das Projekt laut Presse beschrieben. Unser Zuschreiber fragt sich ernsthaft, wie dann wohl eine B-Lage aussehen müsste.
Seine Vermutung lässt zumindest erkennen, dass der Humor im Ort noch nicht ausgestorben ist.
Sein Fazit und das können viele bestimmt nachvollziehen: Ideen darf man haben, Visionen auch. Aber bevor die nächste Kreditlinie glüht, wäre ein nüchterner Blick auf Zahlen, Lage und Risiko vielleicht keine schlechte Idee. Denn Wirtschaftsförderung ist am Ende nur dann gut, wenn sie nicht zur Grundsteuerförderung wird.
Wie immer gilt: Das ist die Stimme eines Bürgers. Aber genau solche Stimmen zeigen, dass die Menschen hinschauen – und manchmal reicht schon ein bisschen Ironie, um eine ziemlich ernste Frage zu stellen: Rechnet sich das wirklich?










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