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Von Zahlen, Schuldigen und den üblichen Verdächtigen

140 politisch rechts motivierte Straftaten im Kreis Wesel. Das ist die Schlagzeile. Und selbstverständlich sind Straftaten immer zu verurteilen. Wer Menschen bedroht, Gewalt ausübt oder fremdes Eigentum beschädigt, hat die Grenzen des Rechtsstaates überschritten und gehört zur Rechenschaft gezogen.

So weit, so unstrittig.

Interessant wird es allerdings bei der Frage, was manche Menschen aus solchen Zahlen alles herauslesen können. Oder besser gesagt: herauslesen wollen.


Denn kaum taucht irgendwo die Formulierung „politisch rechts motiviert“ auf, scheint für einige bereits festzustehen, wer die Schuldigen sein müssen. AfD-Wähler? AfD-Mitglieder? Vielleicht gleich die gesamte Partei? Oder am besten noch alle Bürger, die mit der aktuellen Politik unzufrieden sind?

Doch woher kommt diese Gewissheit eigentlich?

Steht in der Statistik, welche Partei die Täter gewählt haben?

Nein.

Steht dort, ob die Täter überhaupt politisch organisiert waren?

Nein.

Steht dort, ob die Täter Mitglieder irgendeiner Partei waren?

Ebenfalls nein.


Was dort steht, ist eine statistische Einordnung der Tat. Nicht mehr und nicht weniger.

Wenn morgen ein SPD-Mitglied ein Hakenkreuz an eine Wand schmiert, bleibt das in der Statistik eine rechts motivierte Straftat. Wenn ein Grün wählender Täter antisemitische Parolen verbreitet, wird die Tat entsprechend eingeordnet. Die Statistik fragt nach der Tat und ihrer vermuteten Motivation – nicht nach dem Parteibuch.


Aber diese kleinen Unterschiede gehen in der öffentlichen Debatte offenbar gern verloren.

Besonders spannend wird es, wenn steigende AfD-Umfragewerte als Beleg dafür herangezogen werden, dass rechtsextreme Positionen angeblich immer stärker normalisiert würden.

Wirklich?

Oder könnte es vielleicht sein, dass viele Menschen ganz andere Sorgen haben?

Energiepreise vielleicht?

Migration?

Wohnungsnot?

Wirtschaftliche Entwicklung?

Bürokratie?

Innere Sicherheit?

Die Zukunft ihrer Kinder und Enkelkinder?

Manchmal hat man den Eindruck, bestimmte politische Ansichten würden nur noch in zwei Kategorien einsortiert: Zustimmung oder Verdachtsfall.

Wer sagt, Deutschland könne nicht unbegrenzt Menschen aufnehmen, versorgen und integrieren, wird schnell als ausländerfeindlich abgestempelt.

Warum eigentlich?

Wenn jemand sagt, er könne nicht alle Hunde aus dem Tierheim bei sich aufnehmen, weil Platz, Geld und Zeit begrenzt sind, würde niemand auf die Idee kommen, ihn als Hundehasser zu bezeichnen.

Wenn jemand keinen Spargel mag, wird er deshalb nicht zum Spargelfeind.

Wenn jemand sagt, eine Gemeinde könne nicht unbegrenzt neue Ausgaben schultern, wird daraus auch kein Hass auf die Bürger.

Aber sobald es um Migration geht, scheint für manche jede Diskussion über Grenzen, Kapazitäten, Kosten oder Integration verdächtig zu sein.


Dabei ist es doch eine völlig normale Frage, wie viele Menschen ein Land aufnehmen kann, ohne seine Infrastruktur, seinen Wohnungsmarkt, seine Schulen, seine Kindergärten und seine sozialen Systeme zu überfordern.

Darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein.

Darüber darf man streiten.

Dafür sind politische Debatten da.

Was man daraus jedoch nicht automatisch ableiten kann, ist eine feindliche Haltung gegenüber Menschen anderer Herkunft.


Doch genau dieser Eindruck wird oft vermittelt.

Wer Kritik an einer politischen Entscheidung äußert, kritisiert nicht automatisch die Menschen, die von dieser Entscheidung betroffen sind.

Das ist ungefähr so, als würde man jeden, der höhere Strompreise kritisiert, zum Gegner erneuerbarer Energien erklären oder jeden, der weniger Bürokratie fordert, zum Feind des Staates.

Die Wirklichkeit ist meist etwas komplizierter.

Und dann wäre da noch die Rolle der Medien.


Viele Redaktionen scheinen sich ernsthaft zu wundern, warum klassische Medienhäuser Jahr für Jahr Leser verlieren und immer weniger Vertrauen genießen.

Vielleicht liegt es daran, dass immer mehr Bürger den Eindruck haben, nicht informiert, sondern eingeordnet zu werden.

Vielleicht liegt es daran, dass manche Berichte weniger Fragen stellen als Antworten vorgeben.

Vielleicht liegt es daran, dass politische Zusammenhänge suggeriert werden, die durch die präsentierten Zahlen gar nicht belegt sind.

Und vielleicht liegt es auch daran, dass viele Leser inzwischen sehr genau unterscheiden können zwischen Berichterstattung und Meinung.

Je stärker Medien als politische Akteure wahrgenommen werden, desto mehr Menschen suchen sich andere Informationsquellen. Das muss niemand gut finden. Es erklärt aber möglicherweise, warum die Auflagen vieler etablierter Medien seit Jahren sinken und das Vertrauen vieler Bürger schwindet.


Am Ende bleibt eine einfache Feststellung:

Straftaten sind Straftaten.

Die Täter gehören bestraft.

Wer Gewalt ausübt, muss dafür geradestehen.

Aber die Verantwortung dafür trägt der Täter und nicht automatisch jeder Bürger, der bei einer Wahl sein Kreuz an einer Stelle macht, die anderen politisch nicht gefällt.

Eigentlich ein ziemlich einfacher Gedanke.

Früher nannte man so etwas Differenzierung.

Heute scheint das manchmal schon eine mutige Forderung zu sein.


Hier der Auslöser, zu unserem Beitrag:


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