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80 Milliarden Euro Zinsen – und niemand hat einen Plan B?

Klingbeil wird gefragt, wer die Schulden zurück zahlt.

Gibt es eigentlich einen Plan B?

79. Sitzung des Deutschen Bundestages, Berlin, Mittwoch, 20. Mai 2026.


Manchmal sind Bundestagsdebatten wirklich interessant. Nicht unbedingt wegen der Antworten, sondern wegen der Fragen.

In der Regierungsbefragung stellte der AfD-Abgeordnete Dr. Michael Espendiller Bundesfinanzminister Lars Klingbeil eine Frage, die vermutlich viele Bürger ebenfalls gerne beantwortet hätten.

Die Bundesregierung nimmt in den kommenden Jahren enorme neue Schulden auf. Gleichzeitig steigen die Zinszahlungen des Bundes nach den eigenen Planungen auf fast 80 Milliarden Euro pro Jahr.

80 Milliarden Euro. Wohlgemerkt nur für Zinsen.

Nicht für Straßen, Schulen, Krankenhäuser und auch nicht für Pflegekräfte oder für Rentner.

Sondern nur dafür, dass man sich Geld geliehen hat.

Die Begründung der Bundesregierung lautet: Durch Investitionen soll die Wirtschaft wachsen. Durch das Wachstum sollen später höhere Steuereinnahmen entstehen. Und dadurch sollen die Schulden tragbar werden.

Klingt auf dem Papier erst einmal logisch.

Doch genau hier setzte Espendiller an.

Er verwies darauf, dass die Wachstumsprognosen bereits nach unten korrigiert wurden. Die Industrie Arbeitsplätze verliert. Die wirtschaftliche Stimmung schwach bleibt. Die Steuereinnahmen hinter den Erwartungen zurückbleiben.


Deshalb stellte er die eigentliche Kernfrage:

„Was ist Ihr Plan B, wenn das versprochene Wirtschaftswachstum nicht kommt?“

Eigentlich eine ganz einfache Frage.

Denn die Bundesregierung begründet die neuen Schulden ja damit, dass die Investitionen später für mehr Wachstum sorgen sollen.

Aber was passiert, wenn genau das nicht eintritt?

Was passiert, wenn die Wirtschaft weiter schwächelt?

Was passiert, wenn die Steuereinnahmen hinter den Erwartungen zurückbleiben?

Und vor allem:

Wie sollen die gewaltigen Schulden dann eines Tages zurückgezahlt werden?

Genau das wollte Espendiller wissen.

Nicht, wer an allem schuld ist.

Nicht, warum die Lage schwierig ist.

Sondern ganz konkret:

Was ist der Plan der Bundesregierung, falls ihre Rechnung nicht aufgeht?


Die Antwort des Finanzministers fiel überraschend aus.

Er erklärte, dass die Bundesregierung auf Wachstum setze. Dass investiert werde. Dass Strukturreformen geplant seien. Dass man modernisieren wolle.

Kurz gesagt:

Er erklärte noch einmal den Plan A.

Doch genau nach diesem Plan hatte niemand gefragt.

Die Frage lautete:

Was passiert, wenn Plan A scheitert?

Eine Antwort darauf blieb aus.

Stattdessen sprach Klingbeil zwischenzeitlich über den Krieg im Iran und dessen Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Natürlich haben internationale Konflikte wirtschaftliche Folgen. Darüber muss man nicht diskutieren.

Aber die Frage lautete nicht:

„Warum läuft die Wirtschaft schlecht?“

Die Frage lautete:

„Was machen Sie, wenn Ihre Strategie nicht funktioniert?“

Wer einen Kredit aufnimmt, sollte schließlich auch wissen, was passiert, wenn die erwarteten Einnahmen ausbleiben.


Nach dieser ausweichenden Antwort legte Espendiller nach.

Er sprach Berichte an, wonach EU-Mittel in Spanien teilweise für das Rentensystem verwendet worden sein sollen, obwohl sie ursprünglich für andere Zwecke vorgesehen waren.

Seine Frage war erneut einfach:

Warum wird deutschen Bürgern erklärt, dass überall gespart werden muss, während gleichzeitig deutsche Beiträge über die Europäische Union offenbar in andere Rentensysteme fließen?

Und noch wichtiger:

Wird die Bundesregierung dagegen vorgehen oder nicht?

Auch hier hätte man eine klare Antwort erwarten können, z.B.:

-Ja.

-Nein.

-Wir prüfen das.

-Wir unterstützen das.

-Irgendetwas.


Stattdessen wurde erklärt, wie wichtig die Europäische Union sei und dass die AfD die EU verlassen wolle.

Das mag eine politische Position sein.

Nur beantwortete auch das die gestellte Frage nicht.

Am Ende blieb ein bemerkenswerter Eindruck zurück.


Ein Abgeordneter fragt nach einem Plan B.

Der Finanzminister erklärt noch einmal den Plan A.

Ein Abgeordneter fragt nach dem Umgang mit EU-Geldern.

Der Finanzminister erklärt, warum die EU wichtig ist.

Nun kann jeder selbst entscheiden, ob ihn solche Antworten überzeugen.


Mich lässt die Debatte vor allem mit einer Frage zurück:

Wenn die Bundesregierung bereit ist, Schulden in historischer Größenordnung aufzunehmen, sollte sie dann nicht auch erklären können, was passiert, wenn die erwarteten Wachstumszahlen ausbleiben?

Oder anders gefragt:

Gibt es überhaupt einen Plan B – oder besteht der Plan darin zu hoffen, dass Plan A schon irgendwie funktionieren wird?


Besonders bemerkenswert finde ich dabei einen Widerspruch.

Der AfD wird seit Jahren vorgeworfen, sie habe keine Lösungen. Gleichzeitig legt sie regelmäßig Anträge, Gesetzentwürfe und Vorschläge vor. Ob diese Vorschläge richtig oder falsch sind, darüber kann und soll man streiten. Genau dafür ist Politik da.

Doch manchmal entsteht der Eindruck, dass man diese Vorschläge gar nicht hören möchte. Denn würde man sich ernsthaft mit ihnen beschäftigen, müsste man möglicherweise einräumen, dass der eine oder andere Gedanke durchaus diskussionswürdig ist.


Statt über Inhalte zu sprechen, wird aber häufig zuerst auf den Absender geschaut. Damit macht man es sich bequem. Denn wer sich mit Argumenten nicht auseinandersetzen muss, braucht sie auch nicht zu widerlegen.


Dabei stellt sich mir noch eine einfache Frage:

Wenn die Konzepte der etablierten Parteien so überzeugend wären, warum steht Deutschland dann bei so vielen Themen vor immer größeren Problemen? Ob Wirtschaft, Energiepreise, Bürokratie, Wohnungsbau, Migration, Bildung oder innere Sicherheit, viele Bürger haben nicht den Eindruck, dass sich die Lage verbessert.

Vielleicht erklärt genau das die wachsende Unzufriedenheit vieler Menschen.


Der frühere SPD-Chef Sigmar Gabriel hat es kürzlich bemerkenswert offen formuliert: Die Politik habe sich weit von den normalen Bürgern entfernt. Ein Satz, der deshalb so viel Aufmerksamkeit bekam, weil ihn nicht ein AfD-Politiker gesagt hat, sondern ein langjähriger Spitzenpolitiker der SPD.

Vielleicht wäre genau das ein Anfang: Weniger darüber reden, wer etwas sagt, und mehr darüber reden, ob das Gesagte richtig sein könnte.

Denn Probleme lösen sich nicht dadurch, dass man bestimmte Vorschläge nicht hören will.


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